Aus einem Garten wächst ein starkes Netzwerk
Seit unserem letzten Bericht hat sich im Bettina Benzoni-Ruffert Community Garden & Training Centre in Delft bei Kapstadt/Südafrika viel entwickelt. Was als ambitioniertes Ausbildungs- und Gartenprojekt begann, ist heute zu einer stabilen Plattform für praktische Qualifizierung, Ernährungssicherheit und neue Perspektiven herangewachsen.
Der hydroponische Bereich ist inzwischen gut etabliert. Die Abläufe haben sich eingespielt, die Produktion läuft verlässlich und rund um das Projekt ist ein starkes Netzwerk aus Fachleuten, Ausbildungs- und Kooperationspartnern entstanden. Gleichzeitig konnte eine solide Struktur von Partnern aufgebaut werden, die regelmäßig Erzeugnisse aus der Hydroponik abnehmen. Damit entwickelt sich der Bereich zunehmend zu einem praxisnahen Beispiel dafür, wie moderner, ressourcenschonender Anbau auch im urbanen Umfeld funktionieren kann.
Die Pflanzenvielfalt im Garten. Bild: Hope Cape Town
Besonders schön ist die Entwicklung im Community Garden. Über 40 Gemeindemitglieder, die nach ihrem Training eigene Beete übernommen haben, bewirtschaften diese heute selbstständig. Mit dem erworbenen Wissen und den Erfahrungen der vergangenen Monate erzielen sie beeindruckende Ergebnisse und ernten Gemüse für ihre Familien, Freunde und Nachbarn.
Dabei wächst nicht nur Gemüse, sondern auch Wissen. Erfahrungen werden weitergegeben, Tipps ausgetauscht und Erfolge miteinander geteilt. Einer lernt vom anderen. So entsteht Schritt für Schritt eine Gemeinschaft, in der praktische Fähigkeiten weitergetragen werden und Menschen erleben, was sie aus eigener Kraft erreichen können.
Ein wichtiger Bestandteil bleibt dabei der soziale Gedanke: Zehn Prozent der Ernte werden für gemeinnützige Zwecke zur Verfügung gestellt, beispielsweise für eine Suppenküche. Damit wirkt der Garten über die einzelnen Teilnehmer hinaus in die Gemeinde hinein.
Gleichzeitig beginnt bereits der nächste Entwicklungsschritt. Aktuell wird das Gelände um eine aquaponische Anlage erweitert. Aquaponik verbindet Fischzucht und Pflanzenanbau in einem gemeinsamen Wasserkreislauf. Die Nährstoffe aus der Fischhaltung versorgen die Pflanzen, während das Wasser anschließend wieder in den Kreislauf zurückgeführt wird. Dadurch lassen sich Lebensmittel besonders wasser- und flächeneffizient produzieren.
Aquaponik erklärt. Bild: Hope Cape Town
Gerade für urbane Räume ist dieses Modell hochinteressant. Die neue Anlage wird deshalb nicht nur zusätzliche Möglichkeiten zur Produktion schaffen, sondern zugleich ein weiterer Lern- und Trainingsort werden. Teilnehmer können künftig praktische Erkenntnisse in einem modernen, integrierten Ernährungssystem erwerben und Erfahrungen sammeln, die auch für andere Standorte und Gemeinschaften relevant sind.
Für uns als BBR-Stiftung ist diese Entwicklung besonders erfreulich. Sie zeigt, dass aus einer Investition in Infrastruktur weit mehr entstehen kann: Wissen, praktische Qualifikationen, Netzwerke, Eigenverantwortung und neue Möglichkeiten für Menschen, ihre Lebensgrundlagen langfristig selbst mitzugestalten. Gemeinsam mit HOPE Cape Town möchten wir diesen Weg weitergehen und das Bettina Benzoni-Ruffert Community Garden & Training Centre Schritt für Schritt zu einem noch vielseitigeren Lern-, Ausbildungs- und Innovationsort für nachhaltige Ernährungssystemeentwickeln.

